Mit dem Klosterstadt-Express auch im Jahr 2018 nach Maulbronn –
Sonn- und Feiertags vom 1. Mai bis 21. Oktober 2018

Mit dem Klosterstadt-Express
… auf den Spuren Hermann Hesses

Hermann Hesse

Ob Hermann Hesse dereinst den Klosterstadt-Express genutzt hätte, um der Enge des Maulbronner Seminaristendaseins zu entkommen, lässt sich nur vermuten. Seinerzeit musste Hermann Hesse noch die letzten drei Kilometer zu Fuß vom Kloster zum Maulbronner Westbahnhof wandern. Der Fahrgast im Klosterstadt-Express hat es heute besser, da nun die Gleise am Stadtbahnhof nur wenige Meter vor dem Kloster Maulbronn enden.
Der malerische Schienenweg zwischen Tübingen, Calw und Maulbronn entlang des Neckars, über Schwarzwaldhöhen und durch die Täler von Nagold und Enz lädt zu einer Bahnfahrt geradezu ein. Lassen Sie die Hektik des Alltags einfach hinter sich, nehmen Sie sie einfach „unter’s Rad“.

Tübingen

Ausgangsstation unserer kleinen Reise ist Tübingen. Dort, in der pulsierenden Universitätsstadt, erholte sich der junge Hermann von den klösterlichen Strapazen. Obwohl sich der angehende Literat in der Studentenmetropole mehr den profanen Dingen des Lebens widmete, brachte er im Fachwerk-Ambiente rund um den imposanten Marktplatz immerhin seine Buchhändlerlehre zu Ende.
Und außerdem: Stiftskirche, Alte Aula, das Schloss Hohentübingen, der Hölderlinturm – Für Tübingen sollte man sich Zeit nehmen. Es lohnt sich …

Rottenburg

In einem romantischen Abschnitt des Neckartals liegt die Römer- und Bischofsstadt Rottenburg. Beim Bummel durch die Gassen der Altstadt zeugen Fachwerkhäuser, die Zehntscheuer und Türme der Stadtmauer von der mittelalterlichen Geschichte.
Die Atmosphäre auf dem Marktplatz und am reizvollen Flußufer verleitet zum entspannen. Besuchenswert sind das römische Museum „Summel-ocenna“ (auch für Kinder), das Diözesanmuseum und die barocke Wallfahrtskirche im Weggental. Hesse’s Schwester Adele Gundert war in einem Rottenburger Teilort Pfarrfrau – ob Hesse die katholische Nachbarstadt Tübingens und seine Schwester besucht hat, bleibt ungewiss.

Horb am Neckar

Weiter führt unsere Kult-Tour in das beschauliche Horb am Neckar, dessen malerische Gassen und Winkel von den Toren und Türmen einer mittelalterlichen Befestigungsanlage bewacht werden. Der Besuch der Stiftskirche mit der „Horber Madonna“ ist heute ebenso Pflicht wie damals für den Missionarssohn Hesse.

Nagold

Sanft schaukelt der Zug nach Nagold. Neben dem renommierten Heimatmuseum, der Remigiuskirche und den zahlreichen historischen Gebäuden im Stadtkern bietet die zentral gelegene Grünanlage mit Freizeitangeboten auch für den Kulturbeflissenen eine willkommene Abwechslung.

Wildberg

Eine Burgruine aus der Stauferzeit erwartet den Gast in der über 750 Jahre alten Stadt Wildberg. Das Rathaus (1480) und der Marktbrunnen (1654) sind weitere Zeugen einer stolzen Vergangenheit. Auch ist Wildberg Gastgeber des ältesten historischen Heimatfestes der Region. Der Schäferlauf, der alle 2 Jahre am 3. Son-tag im Juli stattfindet ist eine Riesen-Gaudi für Jung und Alt. Weiteres kulturelles Hightlight ist die Ruine des 1252 ersmals erwähnten ehemaligen Dominikanerinnen-Klosters Reuthin mit seinem ganzjährig an Sonn- und Feiertagen geöffneten Heimatmuseum.

Bad Teinach – Zavelstein

Inmitten ausgedehnter Wälder bieten die bekannten Mineral-Thermalquellen des Heilbades und Kurorts Bad Teinach Ruhe und Entspannung. Auch Hermann Hesse rüstete sich einst mit einem kräftigen Schluck des trefflichen Teinacher Mineralwassers für den Fußmarsch hoch zur Ruine Zalvelstein, wo er mit einem grandiosen Rundblick übers Ländle belohnt wurde.

Calw / Hirsau

Verweilen wir in Calw, wo Hesse am 2. Juli 1877 das Licht der Welt erblickte. Neben dem Hermann Hesse Museum lockt sein Geburtshaus Besucher aus aller Herren Länder. Bei einem Bummel über den pittoresken Marktplatz erinnert man sich, dass Hesse einst vor Ort eine Lehre in einer mechanischen Werkstatt absolvierte. Der „Steppenwolf“ als schwäbischer Mechaniker – man mag es kaum glauben. Relikte vergangener Baukunst prägen den Stadtteil Hirsau: Die Ruinen des Benediktinerklosters St. Peter und Paul und des Renaissanceschlosses ebenso wie die neun Jahrhunderte alte Aureliuskirche.

Bad Liebenzell

Gesundheit und Wellness haben in Bad Liebenzell immer Saison. Dafür sorgen das Paracelsusbad und die Sauna Pinea nur wenige Schritte vom Bahnhof entfernt. Aber auch Natur und Kultur kommen in Bad Liebenzell nicht zu kurz. Umgeben von dicht bewaldeten Hängen wird das Erscheinungsbild des Ortes durch die trutzige Burg aus dem 13. Jahundert geprägt. Zahlreiche Veranstaltungen wie das Lichterfest, der Jazz-Sommer, Konzerte, Kunstausstellungen, Bälle und vieles mehr sorgen für ein abwechslungsreiches Programm und lassen bestimmt keine Langeweile aufkommen.

Pforzheim

Über die ehemalige Flößergemeinde Unterreichenbach rollt man im Schatten milder Bergwälder durch das Nagold- und Reichenbachtal in die Glitzerwelt der Goldstadt Pforzheim, dem Zentrum der deutschen Schmuck- und Uhrenindustrie. „Narziss und Goldmund“ fühlen sich dort vermutlich wohler als bikende „Siddhartas“, die sich dafür am üppigen kulturellen Angebot – vom Stadttheater über das Kammerorchester bis hin zum Kulturhaus Osterfeld – schadlos halten.

Mühlacker

Vor dem Eisenbahnknoten Mühlacker schwenkt der Triebwagen gen Westen. Rechts über dem Enztal erhebt sich die Burgruine Löffelstelz, die Stadt überragten seit dem Jahr 1930 die Sendemasten des SWR, zunächst aus Holz (1934 höchster Holzturm der Welt mit 193 m Höhe), seit 1949 aus Stahl mit 273 m Höhe.

Mühlacker, mit seinen Ortsteilen an der Weinstraße Kraichgau-Stromberg gelegen, ist Ausgangspunkt des Eppinger-Linien-Wanderweges nach Maulbronn. Der Klosterstadt-Express bietet auch Direktverbindungen von Mühlacker nach Maulbronn (mit sofortiger Weiterfahrt Richtung Horb). Auf der Weiterfahrt zum Endbahnhof passiert der Triebwagen den Waldenserort Schönenberg. Auf dem Sauberg am Waldrand wacht eine Chartaque der Eppinger Linie.

Maulbronn

Am Maulbronner Westbahnhof (S-Bahn-Halt S 9) ist das Ziel Maulbronn fast erreicht. Während Hermann Hesse „von der verschlafenen Station durch den feuchten, moorigen Wald gen Maulbronn wandern“ musste, nutzt der Fahrgast im Klosterstadt-Express die 1914 erbaute Strecke zum Stadtbahnhof, um nur wenige Minuten Fußweg vom Kloster entfernt dem Zug entsteigen zu können. Einst Heimat des Elite-Ordens der Zisterzienser und heute von der UNESCO in die Reihe der Welt-Kulturdenkmäler aufgenommen, gilt Maulbronn als die größte und am besten erhaltene Klosteranlage nördlich der Alpen.
„Weitläufig, fest und wohl erhalten stehen die Bauten und wären ein verlockender Wohnsitz …“ erinnert sich Hermann Hesse 1905 in „Unterm Rad“ an sein evangelisch-theologisches Seminar, das er jedoch schon nach neun Monaten wieder verließ, da ihm die Klostermauern trotz aller baulichen Vorzüge bald zu eng wurden …
Doch auch Friedrich Hölderlin, anno 1787 ebenfalls Zögling der Maulbronner Äbte, der über „ordentliche Nahrungssorgen und schrecklich leeren Magen“ klagte, vermochte Maulbronns legendären Ruf als Mittelpunkt schwäbischen Geisteslebens nicht nachhaltig zu erschüttern … Bevor uns der Klosterstadt-Express sicher nach Hause bringt, widerlegen wir in einem der gemütlichen Maulbronner Gasthäuser Hölderlins Vorurteil in Bezug auf die kulinarischen Gepflogenheiten des Schwabenlandes … der Heimat eines großen Autors, dem Lande Hermann Hesses. Auch für Erholung und Entspannung ist gesorgt. Am „Tiefen See“, ein Naturfreibad (Bootsverleih) direkt hinter dem Kloster, erfrischte sich auch schon Hermann Hesse an heißen Sommertagen.